Informationen der API zu SARS-CoV-2 und COVID-19

Stand der Informationen (5. Revision): 02.03.2022

Die COVID-19-Pandemie verläuft weiterhin dynamisch. Die folgenden Empfehlungen für Patienten mit angeborenen Immundefekten sind von Immunologen der API aus großen Immundefektzentren (Berlin, Freiburg, Hannover, München, Ulm, Wien, Zürich*) verfasst worden. Sie sollen Patienten und betreuenden Ärzten von Patienten mit Immundefekten eine Orientierung geben und dort Lücken schließen, wo die behördlichen Empfehlungen nicht den Detailgrad erreichen, um wichtige Fragen für diese seltenen Erkrankungen zu beantworten. Die hier gegebenen Empfehlungen werden unter Berücksichtigung der aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und weiterer Behörden regelmäßig aktualisiert. Aufgrund des dynamischen Verlaufs der COVID-19-Pandemie können sich diese behördlichen Empfehlungen aber weiterhin kurzfristig ändern, so dass die von den hier gegebenen Empfehlungen abweichen können.

Wie schätzt die API die Situation für Patienten mit angeborenen Immundefekten ein?

Grundsätzlich sind Patienten mit angeborenen Immundefekten im Hinblick auf die COVID-19-Pandemie zunächst als Risikopatienten einzuschätzen. Aufgrund einer veränderten und oft abgeschwächten Reaktion des Immunsystems könnte ein Teil dieser Patienten nach einer SARS-CoV-2-Infektion schwerer erkranken und länger infektiös bleiben.

Die pauschale Klassifikation aller Immundefekt-Patienten als Risikopatienten wird jedoch den bisher beobachteten Infektionsverläufen nicht gerecht. Unsere Einschätzung zur Orientierung für die Patienten und ihre behandelnden Ärzte entsteht aus dem Bemühen, für den Schulbesuch, Arbeit und weitere Sozialkontakte Risiken zu benennen, ohne Patienten unnötig einzuschränken. Die Einschätzung wird regelmäßig insbesondere auf der Basis von Infektionsverläufen bei Immundefektpatienten, die wir zusammen mit unseren internationalen Kollegen sorgfältig verfolgen, angepasst. Diese Experten-Einschätzung ist keine rechtlich bindende Vorgabe.

Wir schlagen vor, dass durch die behandelnden Ärzte mit Erfahrung in der Behandlung von Patienten mit angeborenem Immundefekt eine individuelle Einordnung in zwei Gruppen von Patienten vorgenommen wird:

Gruppe 1 – Erhöhtes Risiko: Patienten mit Immundefekt, bei denen möglicherweise ein erhöhtes, aber kein hohes oder sehr hohes Risiko vorliegt, durch SARS-CoV-2 schwer zu erkranken.

Gruppe 2. – Hohes oder sehr hohes Risiko: Patienten mit besonderen Formen von Immundefekten oder weiteren Risikofaktoren, durch die ein hohes oder sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 entsteht. Beispiele für besondere Formen der Immundefizienz sind:

  • Patienten mit anamnestisch schweren (viralen) pulmonalen Infektionen,
  • Patienten mit ausgeprägtem T-Zell-Defekt („combined immunodeficiency“ und „severe combined immunodeficiency“),
  • Patienten mit eingeschränkter Bildung oder Wirksamkeit von Typ-I-Interferonen,
  • Möglicherweise einzelne weitere genetisch definierte Immundefekte, die insbesondere auch zur Bildung neutralisierender Autoantikörper gegen Typ-I-Interferone führen können.

Beispiele für weitere Risikofaktoren sind (ohne Rangfolge):

  1. a) Alter über 60 Jahre,
  2. b) Down-Syndrom (Trisomie 21),
  3. c) Zustand nach Organtransplantation (dauerhaft) oder nach Stammzelltransplantation (abhängig vom Verlauf der Immunrekonstitution nach Einschätzung der behandelnden Ärzte),
  4. d) Demenz, geistige Behinderung oder schwere psychiatrische Erkrankung, insbesondere bipolare Störung, Schizophrenie oder schwere Depression,
  5. e) Behandlungsbedürftige Krebserkrankungen,
  6. f) interstitielle Lungenerkrankung, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, Mukoviszidose oder eine andere, ähnlich schwere chronische Lungenerkrankung,
  7. g) Muskeldystrophie oder vergleichbare neuromuskuläre Erkrankung,
  8. h) Diabetes mellitus,
  9. i) Leberzirrhose oder andere chronische Lebererkrankungen,
  10. j) chronische Nierenerkrankung,
  11. k) Krebserkrankung
  12. l) Adipositas (Body-Mass-Index über 30 kg/m2)
  13. m) Schwangerschaft.

Für viele Patienten wird eine Zuordnung in die beiden Risikogruppen aufgrund der aktuellen Daten nicht eindeutig möglich sein, so dass im Zweifelsfall die individuelle Situation (Art des Immundefekts, Lebenssituation, Wohnort, Therapie, durchgemachte Infektion, stattgehabte Impfung, etc.) mit den Hausärzten und den behandelnden Spezialisten im Immundefektzentrum bewertet werden sollte.

Es ist davon auszugehen, dass bei manchen Patienten mit angeborenem Immundefekt auch bei mildem Verlauf die Virusausscheidung deutlich verlängert ist. Für diese Gruppe sind daher weitreichendere Maßnahmen empfohlen, und es sollte im Rahmen von Lockerungsmaßnahmen den Empfehlungen für Risikogruppen gefolgt werden.

Informationen und Hilfestellungen für Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf wurden vom RKI – hier – zusammengefasst.

Welche Erfahrungen gibt es inzwischen zu COVID-19 Verläufen bei Patienten mit angeborenem Immundefekt?

Es gibt inzwischen eine Reihe von Fallserien, bei denen die Verläufe von Patienten mit angeborenen, d.h. primären Immundefekten (PID) zusammengefasst wurden. Insgesamt wurden aktuell weltweit über 600 Patienten publiziert (Bucciol et al., PMID: 34734915). Es ist zu berücksichtigen, dass es kein Erfassungssystem für asymptomatische oder ambulant behandelte Infektionen gibt und vorwiegend schwere Fälle in lückenhaft geführte Register aufgenommen werden. Es ist daher kaum möglich, aus den gemeldeten Fällen eindeutige Schlüsse zu ziehen.

Folgende Beobachtungen zeichnen sich jedoch ab:

  • Auch für Patienten mit PID sind Alter und Begleiterkrankungen wichtige Risikofaktoren,
  • Patienten mit ausgeprägtem T-Zell-Defekt („combined immunodeficiency“) haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe,
  • bei Patienten mit Antiköpermangel-Erkrankungen (v.a. CVID) liegt zum Teil ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe vor; insbesondere eine Lungenbeteiligung und Leberbeteiligung im Rahmen der CVID stellen offenbar Risikofaktoren für einen schweren Verlauf dar (Shields et al., PMID 33338534),
  • Patienten mit eingeschränkter Bildung oder Wirksamkeit von Typ-I-Interferonen oder Immundefekte, die zur Bildung neutralisierender Autoantikörper gegen Typ-I-Interferone führen können (z.B. Bastard et al. PMID: 33890986; Zhang et al. PMID: 32972995; Bastard et al. PMID: 34413139) haben häufiger einen schwereren Verlauf. Es zeichnet sich jedoch auch innerhalb dieser Gruppe, insbesondere unter Patienten mit Autoantikörpern gegen Typ-I-Interferone ab, dass COVID-19-Erkrankungen bis ins junge Erwachsenenalter mild verlaufen können (Bastard et al., PMID: 33890986; Meisel et al. PMID: 34061776).

 Welche speziellen Empfehlungen gibt es für Menschen mit angeborenen Immundefekten?

Grundsätzlich ist eine vollständige Impfserie gegen SARS-CoV-2- entsprechend der Empfehlungen der ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI – auch für Immundefektpatienten die wichtigste präventive Maßnahme (s. auch unten). Darüber hinaus sollte bei jedem Hinweis auf eine SARS-CoV-2 Infektion unmittelbar eine Testung durchgeführt werden, da im Falle einer Infektion für Patienten mit Immundefekten frühzeitig eine Therapie diskutiert werden muss.

Wichtige allgemeine Schutzmaßnahmen für Patienten der Gruppe 2 zusätzlich zu den allgemein geltenden AHA(L)-Regeln sind:

  • Komplette Impfung der unmittelbaren Kontaktpersonen,
  • bei Kontakten im Freundeskreis auf die 2 bis 3-G(plus) der Kontaktpersonen achten,
  • Möglichkeiten zur Testung nach Teilnahme an Veranstaltungen wahrnehmen,
  • bei Kontakten außerhalb der Kernfamilie sollten Patienten und Kontaktpersonen eine FFP2-Schutzmaske tragen,
  • Vermeidung unnötiger Expositionssituationen, auch am Arbeitsort,
  • in der besonderen Risikokonstellation eines SARS-CoV-2-Infizierte im eigenen Haushalt sollte der Umgang festlegt werden (z.B. Schlafen und Aufenthalt in getrennten Zimmern; Mahlzeiten getrennt einnehmen; räumliche Trennung von Geschwisterkindern).

Sollte die Immunglobulin-Dosis oder die Begleitmedikation geändert werden?

Intravenöse oder subkutane Immunglobulingabe schützt Patienten mit Antikörpermangel vor vielen Infektionen, insbesondere auch vor Atemwegsinfektionen, und sollte auf jeden Fall weiter durchgeführt werden. Falls die Immunglobulindosis bisher nicht ausreichend war, sollte sie grundsätzlich angepasst werden. Die Immunglobulingabe schützt derzeit nicht vor Infektionen mit SARS-CoV-2. Eine Erhöhung der Immunglobulindosis nur zu diesem Zweck hat keinen schützenden Effekt und ist nicht indiziert. Im Januar 2021 enthielten etwa 90% der zu diesem Zeitpunkt gewonnenen Immunglobulinpräparate geringe Mengen von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 (Romero et al. PMID: 33606999). Es ist zu erkennen, dass ab Ende 2021 neue Chargen höhere Mengen an SARS-CoV-2 spezifischen Antikörpern enthalten werden (Romero et al: PMID: 34953544). Diese Chargen enthalten Antikörper gegen die bis Ende 2021 hauptsächlichen SARS-COV2-Varianten (alpha bis delta), was zu einem partiellen Schutz vor schweren Verläufen beitragen kann.

Sollten antientzündliche oder immunsuppressive Medikamente vermieden werden?

Es gibt bisher keine klaren Daten bei Patienten mit Immundefekt unter immunsuppressiven Medikamenten dazu, ob die angewandten therapeutischen Dosen dieser Medikamente den Krankheitsverlauf von COVID-19 beeinflussen. Von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen haben sich insbesondere Steroide in höherer Dosierung und Rituximab als potentielle Risikofaktoren für einen schwereren Verlauf gezeigt, während Anti-TNF-a Inhibitoren möglicherweise sogar zu einem besseren Verlauf von COVID-19 beitragen mögen (Kroon et al., PMID 34876462). Daher gilt: Immunsuppressive Medikamente sollten nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vorsorglich vermindert oder gar abgesetzt werden.

Sollten medizinische Routinetermine wahrgenommen werden?

Die regelmäßige ärztliche Überwachung ist ein wesentliches Element der Therapie von Patienten mit angeborenen Immundefekten. Hierzu gehört sowohl die Haus-/Kinderärztliche Vorstellung als auch die Vorstellung bei Ihren Spezialisten. Medizinische Routinekontrollen, Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen sollten wahrgenommen werden. Informieren Sie sich über das Vorgehen in den von Ihnen besuchten Praxen/Ambulanzen und nehmen Sie vereinbarte Termine nach Möglichkeit wahr. Viele Ärzte bieten auch telefonische oder Videosprechstunden an.









Was tun, wenn bei einem Immundefektpatient das Virus nachgewiesen wird?

Wir empfehlen, dass Patienten mit Immundefekt und SARS-CoV-2-Infektion sich unverzüglich an ihren behandelnden Immunologen wenden, damit zügig über die weiteren Maßnahmen entschieden werden kann. Bei Virusnachweis (auch ohne klinische Zeichen einer Infektion) sollten mögliche Änderungen der Therapie des Immundefekts mit den behandelnden Ärzten abgestimmt werden. Aufgrund einer häufig verlängerten Virusausscheidung, ggf. mit molekularen Veränderungen im Virus (s.u.) wird bei Immundefektpatienten neben einer initialen PCR-Testung (vorzugsweise mit Angabe des Ct-Wertes) eine wiederholte PCR-Testung empfohlen, bis kein Virus mehr nachweisbar ist.

Grundsätzlich stehen für die antivirale Therapie von SARS-CoV-2 verschiedene Medikamente zur Verfügung. Diese umfassen sowohl Virostatika (Ritonavir-geboostertes Nirmatrelvir (Paxlovid), Molnupiravir (Lagrevio) und Remdesivir (nur i.v.)) als auch verschiedene monoklonale Antikörper. Bei der Planung der Therapie müssen aktuelle Resistenzen und bei einer Therapie mit monoklonalen Antikörpern die Wirksamkeit gegen die nachgewiesene Virusvariante berücksichtigt werden. Monoklonale Antikörper und Paxlovid sind für Patienten >12 Jahre und >40 kg zugelassen, Molnupiravir ab 18J. Aufgrund einer höheren Wirksamkeit wird von dem NIH primär der Einsatz von Ritonavir-geboostertes Nirmatrelvir über Molnupiravir empfohlen (NIH COVID-19 Treatment Guidelines).

Die Therapie kann bei Patienten mit Immundefekt aufgrund der fehlenden Antikörperbildung bzw. persistierenden Infektionen auch außerhalb des zugelassenen Zeitfensters von 5 bzw. 10 Tagen nach Symptomenbeginn sinnvoll sein.

Aktuell sind die gegen Omikron wirksamen Medikamente nicht zur vorbeugend schützenden Gabe bei Patienten mit erhöhtem Risiko für schwere Krankheitsverläufe (Prä-Expositionsprophylaxe oder PrEP) zugelassen, dies wird derzeit in Studien untersucht.

Was ist, wenn ich eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht habe?

Es bestehen Hinweise, dass manche Patienten mit Immundefekten länger Virus ausscheiden als immunkompetente Personen. Es ist deswegen denkbar, dass Patienten mit Immundefekt über die vorgegebene (festgelegte) Isolationszeit hinaus infektiös sind. Dies kann auch bei klinischem Wohlbefinden der Fall sein. Aus diesem Grund sollte bei Patienten mit Immundefekt ein Kontrollabstrich (PCR) vor Beendigung der Isolation und – in Absprache mit den behandelnden Ärzten – ggfs. wöchentlich im Anschluss durchgeführt werden, bis dieser 2 x negativ ist.

Ob und wie lange eine durchgemachte Infektion vor einer erneuten Infektion schützt, ist derzeit unklar. Das gilt insbesondere für Patienten mit Immundefekten, so dass diese auch nach einer überstandenen Infektion weiter die empfohlenen Schutzmaßnahmen einhalten sollten. Auch nach durchgemachter Infektion sollte geimpft werden.

Es gibt derzeit keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Immundefektpatienten, an Long-COVID zu erkranken.

Was ist für mich als Immundefektpatient bezüglich einer SARS-CoV-2-Impfung zu beachten?

Grundsätzliche Empfehlungen zur Impfung von Patienten mit Immundefekt wurden vom RKI zusammengefasst. Darüber wurde eine STIKO-Empfehlung zur SARS-CoV-2-Impfung bei Personen mit Immundefizienz publiziert (Epidemiologisches Bulletin 39/2021 des RKI S. 11 ff,; s.a. 14. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung Epid Bull 2021;48:3 -1418. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung 27/2022)

Die Impfung ist auch bei immundefizienten Patienten sicher. Die Immunogenität ist variabel und abhängig von der vorliegenden genetischen Ursache und Therapien. Es ist inzwischen gut belegt, dass sowohl B-Zell- als auch T-Zell-Immunität zum Impfschutz gegen SARS-CoV-2 beitragen können (Polack et al., PMID: 33301246, Anderson et al., PMID: 32991794, Frenck et al., PMID: 34043894, Walter et al., PMID: 34752019, Guerrera et al., PMID: 34726470). Für Patienten mit Morbus Bruton (XLA) beispielsweise ist nachgewiesen, dass in völliger Abwesenheit von B-Zellen eine T-Zell-Impfimmunität gegen Influenzavirus induziert werden kann (Liu et al., PIMD: 22289994). Diese Empfehlung schließt auch Patienten unter Immunglobulintherapie ein, da nur so eine zusätzliche T-Zellimmunität aufgebaut werden kann und in den aktuellen Immunglobulinpräparaten (noch) keine ausreichend protektive Antikörpermenge, insbesondere gegen neue Varianten des Virus, garantiert sind. Auch eine immunsuppressive Behandlung ist keine Kontraindikation für die Impfung von Immundefektpatienten (Furer et al., PMID: 34127481). Im Einzelfall sollte Rücksprache mit den Immundefektspezialisten erfolgen.

Immundefiziente Patienten sollten ab dem Alter von 5 Jahren je nach altersspezifischer Zulassung eine Grundimmunisierung mit einem mRNA Impfstoff von BioNTech/Pfizer oder Moderna erhalten. Jene, die als erste Dosis einen Vektor-basierten Impfstoff (Astra Zeneca oder Janssen) erhalten haben, sollten im Abstand von mindestens 4 Wochen eine weitere Dosis eines mRNA Impfstoffs erhalten.

COVID-19-Impfstoff Nuvaxovid von Novavax: Es liegen noch keine Daten für Kinder und Jugendliche im Alter bis 17 Jahren vor. Der Impfstoff ist derzeit für diese Altersgruppe nicht zugelassen. Aktuell werden in einer Studie Daten zur Sicherheit- und Immunogenität in der Altersgruppe der <18-Jährigen erhoben. Die Wirksamkeit und Sicherheit von Nuvaxovid wurden bei Personen mit Immundefizienz bislang noch nicht untersucht. So liegen keine Daten über das Ansprechen auf eine primäre Impfserie bestehend aus zwei (standardmäßig) oder drei Impfdosen (erweitert) von Nuvaxovid bei immundefizienten Personen mit einer relevanten Einschränkung der Impfantwort vor.

Die STIKO hat bei Menschen mit Immundefizienz (>5 Jahre) zwei Auffrischimpfungen mit einem mRNA Impfstoff empfohlen. Die erste Auffrischimpfung (=3. Impfung, s.g. Booster-Impfung) kann bereits 4 Wochen nach der abgeschlossenen Grundimmunisierung verabreicht werden. Die 2. Auffrischimpfung (=4. Impfung) ist frühestens 3 Monate nach der vorherigen Auffrischung empfohlen (Epid. Bulletin 7/2022 des RKI v. 17.02.2022).

Wir empfehlen auch nach der Impfung weiterhin dringend, das Risiko der Exposition gegenüber SARS-CoV-2 entsprechend den Vorgaben des RKI mit Einhaltung der AHA(L)-Regeln und Nutzung von FFP2-Masken zu minimieren, da individuell nicht vorherzusagen ist, wie umfänglich der Schutz vor Infektion nach Impfung ist.

Die Impfung von Kontaktpersonen ist bei PID-Patienten besonders wichtig, da die Impfung bei diesen Patienten unter Umständen keinen kompletten Impfschutz bewirkt. Außerdem können so auch PID-Patienten unter 5 Jahren, für die die Impfung noch nicht zugelassen ist, vor Ansteckungen durch enge Kontaktpersonen geschützt werden.

Für Patienten mit autoinflammatorischen Erkrankungen (AID) gelten ähnliche Empfehlungen für die SARS-CoV-2 Impfung wie für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Bezüglich der Wirksamkeit der Impfungen werden anti-entzündliche Therapien mit und ohne relevante Einschränkung der Impfantwort unterschieden. Therapien mit Biologika (anti-IL-1, anti-IL6R), die für AID eingesetzt werden, gehören zur letzteren Gruppe. Daten zu 130 Patienten mit AID weisen auf eine gute Verträglichkeit hin, allerdings wurde bei 20% der Betroffenen ein meist milder Schub induziert.

Was muss ich bei der Impfung beachten, wenn ich Immunglobuline spritze oder infundiert bekomme?

Es gibt derzeit keine Hinweise auf eine verminderte Wirksamkeit der derzeit verfügbaren Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 bei gleichzeitiger Gabe von Immunglobulinpräparaten. Ein Mindestabstand zur Gabe ist deshalb nicht unbedingt notwendig.

Was muss ich bei der Impfung beachten, wenn ich Medikamente einnehme, die mein Immunsystem unterdrücken?

Wir empfehlen in diesem Fall unbedingt den behandelnden Spezialisten zu kontaktieren, der das immunsuppressive Medikament verschrieben hat. Zu immunsupprimierenden Medikamenten zählen hier insbesondere: systemisch-wirksame Kortisontabletten wie z.B. Prednison oder Prednisolon, Infusionen mit Rituximab, eine Therapie mit Mycophenolat, Ciclosporin, Cyclophosphamid, Methotrexat, Sirolimus und andere.

Welches Vorgehen wird bei Kindern bezüglich der SARS-CoV-2 Impfung empfohlen?

Grundsätzlich ist die Impfung von allen Kindern ≥12 Jahren sowie von Kindern mit 5-11 Jahren mit Vorerkrankungen (dazu zählen Patienten mit PID) mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer empfohlen. Informationen des RKI vom 17.02.2022 hierzu finden Sie im Epidemiologischen Bulletin 7/2022.

Kann nach erfolgter Impfung die Schutzwirkung gemessen werden?

Grundsätzlich gibt es Möglichkeiten, die Immunantwort durch Bestimmung von Antikörpern oder von T-Zellen, die SARS-CoV-2 erkennen, zu bestimmen. Derzeit ist unsicher, ab welchem Antikörperspiegel eine sichere Schutzwirkung zu erwarten ist. Aktuell ist noch offen, ob Antikörperspiegel und T-Zell-Antworten gegen SARS-CoV-2 für weitere klinische Entscheidungen herangezogen werden können (z.B. Empfehlungen zu weiteren Auffrischimpfungen, evtl. zukünftig verfügbare Passivimmunisierungen). Lediglich bei Patienten mit zu erwartender verminderter Impfantwort sollte eine Antikörperbestimmung frühestens 4 Wochen nach der 2. Impfdosis und frühestens 4 Wochen nach der 3. Impfdosis durchgeführt werden, um ggf. die Dynamik einer Antikörperbildung für die Planung einer 4. Impfstoffdosis heranzuziehen.

Welche weiteren speziellen Informationsquellen gibt es für Patienten mit Immundefekten?

Die internationale Patientenorganisation für Immundefekte IPOPI hat wichtige Informationen zu häufigen Fragen zusammengestellt (auf Englisch).

Wie kann ich selbst helfen, dass Informationen zu SARS-CoV-2/ COVID-19 bei Immundefektpatienten zuverlässiger werden?

Sollte bei Ihnen eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen werden (mit oder ohne Symptome), informieren Sie bitte Ihre behandelnden Immundefektspezialisten über die Infektion und bitten sie, diese Infektion in einem europäischen Patientenregister zu melden (ESID-Register).

*Autoren: Prof. Dr. Michael Albert (München), Prof. Dr. Horst von Bernuth (Berlin), Prof. Dr. Kaan Boztug (Wien), Prof. Dr. Stephan Ehl (Freiburg), PD Dr. Dr. Fabian Hauck (München), Prof. Dr. Philipp Henneke (Freiburg), PD Dr. Christian Klemann (Hannover), Prof. Dr. Jana Pachlopnik-Schmid (Zürich) Prof. Dr. Ansgar Schulz (Ulm), Dr. Aleš Janda, MSc. PhD (Ulm), PD Dr. Carsten Speckmann (Freiburg), Prof. Dr. Klaus Warnatz (Freiburg)

Literatur/Links: Die mit PMID gekennzeichneten Literaturverweise können unter Eingabe der PMID-Ziffer auf dieser Internetseite abgerufen werden: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/

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Zur gemeinsamen Stellungnahme der DGPI, API, DGKJ, DGPK, GPOH, GKJR, GPP und STAKOB zur Klinik, Diagnostik und Therapie von Kindern mit COVID-19 – Update Februar 2022 – geht es hier: https://dgpi.de/klinik-diagnostik-therapie-kinder-mit-covid-feb-2022/

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